Naturschauspiel am Mangfall zwischen Flussverbauung und Papiermühlen.


Blätter aus Kalk, zerbrechlich wie Büttenpapier, auf dem Weg zur Ewigkeit.







Kurze Anmerkunegn zu Wanderungen durch die Natur mit Bildern und Worten.

Naturschauspiel am Mangfall zwischen Flussverbauung und Papiermühlen.


Blätter aus Kalk, zerbrechlich wie Büttenpapier, auf dem Weg zur Ewigkeit.








Lehre mich selbst, wer du bist, denn es trügt der Menschen Vermuten.
Was dein Name besagt, kündest am besten du selbst!

So war mein Gruß, und so gab die Göttin dem Fragenden Antwort;
Während sie redet, enthaucht Rosen des Frühlings ihr Mund:
„Chloris hieß ich dereinst, doch jetzt Flora – lateinische Sprechart
Hat aus dem griechischen Laut so mir den Namen entstellt ,
Chloris, die Nymphe der Flur, der frohen, wo selige Tage,
Wenn du die Sage vernahmst, früher die Menschen verbracht.
Welche Gestalt ich besaß, fällt schwer der Bescheidnen zu sagen“









Schließlich bin ich es, die wirkt, wenn in den Jahren der Jugend
Übersprudelt der Geist, kraftvoll der Körper erblüht!






Oftmals hab‘ ich versucht, die verschiedenen Farben zu zählen
Ohne Erfolg, denn zu klein war für die Fülle die Zahl!

Flora: Aus 150 Bildern ausgewählt für ein Buch mit 76 Seiten. Auf Originalfotopapier abgelichtet. Jedes Exemplar ist ein Einzelstück.

Alle Texte aus den Fasti von Ovid (*März 43 v. Chr. in Sulmo; † um 17 n. Chr. in Tomis), Fünftes Buch, für den Monat Mai.
Siehe auch Flora

Im Zeichen der Ebene und des Himmels.
Zum verrückt werden schön ist es, wenn sich Gegensätze zusammen tun. Nirgendwo sehe ich diese Begegnung so unmittelbar wie in den bedrohten Moorlandschaften vor den Bayerischen Bergen. Verschwindend kleine Flächen für große Wahrnehmung von Natur wie sie noch ist.

„Woran unsere Väter in geschlossenem Reisewagen, ungeduldig und von Langeweile geprägt, vorüberfuhren, das brauchen wir. Wo sie den Mund auftaten, um zu gähnen, da tun wir die Augen auf, um zu schauen, denn wir leben im Zeichen der Ebene und des Himmels. Das sind zwei Worte, aber sie umfassen eigentlich ein einzige Erlebnis: die Ebene. Die Ebene ist das Gefühl, in dem wir wachsen.“
Rainer Maria Rilke, Worpswede

„Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz … es ist ein Wunderland, ein Götterland. Ich habe Mitleid mit diesem schönen Stück Erde, seine Bewohner wissen nicht, wie schön es ist…. wenn das Malen nicht wäre?!“
Paula Modersohn-Becker



Wie oft bin ich nun schon auf den Neureuth gestiegen? Ich weiss es nicht. Vielleicht 50 mal, wann immer die Arbeit keine Tagestour zuließ ging es zum Kaffee und Kuchen hier hinauf, für ein paar Stunden mit Zug und Fuß von München nach Gmund, der Neureuth und dann wieder hinab zum Tegernsee, zurück ins Büro. Und natürlich nur, wenn das Wetter nicht zu viel Sonne versprach, sonst wird es hier oben leicht etwas eng. So auch diesmal, das Sturmtief Sabine vergönnt sich eine Atempause. Ich brauch Luft zum Atmen. Nasser Schnee drückt die Zweige nieder, und umklammert die Stämme bis tief in den Wald hinein. Es gibt viel zu sehen, manches gar neu und noch nie so wahrgenommen. Es gibt immer etwas zu entdecken. Ich bin selbst erstaunt, immer wieder, auch diese Einsicht. Deshalb bin ich hier. Die eigenen Blicke verkleiden sich kunstvoll in neue Sichtweisen. Es tut einfach nur gut.



Ein Buch ohne Ende, Ostersee, Januar 2020
Zwischen zwei Bahnhöfen in Serpentinen über Wiesen, an Ufern und durch Wälder spaziert. Ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit. Ich lass mir Zeit, schaue und warte auf das schönste Licht. Nur wenige Leute sind auf dem Weg. Dann mit dem Zug in die Dunkelheit zurück nach München.



„Der Wald ist kein verschlossenes Buch, wohl aber ein Buch ohne Ende. Seine Sprache ist leicht verständlich, sie redet schlicht und warm zu unserm Herzen, wir brauchen ihr nur zu lauschen und das Herz nur offenzuhalten.“
Ludwig Ganghofer, Bergheimat, posthum 1933




Rückkehr ist Taos Bewegnis
Schwachsein ist Taos Gepflegnis
Alle Wesen entstehen aus dem Sein
Das Sein entsteht aus dem Nichts
Tao Te King, Lao-Tse (um 350 v. Chr.)

Auf dem Weg zum Gipfel denke ich über diesen Weg nach. Dabei geht mir die Weite durch den Kopf, wie ein Wirbelwind, bis ich oben bin. Dann oben angekommen, geht es wieder zurück, hinunter in das Tal, und ich denke nicht nur zurück.

Am 9.1.2020 auf den Hirschberg (1670 m) im Mangfallgebirge. Bei herrlichem Wetter ganz allein auf dem Gipfel. Ein ungewöhnlicher warmer Wintertag. Weit oben wird es ganz weit, ich kann es kaum glauben, auch wenn ich schon so oft hier war, es ist jedesmal neu.

In Gmund am Tegernsee warte ich auf den Zug nach München. Wie anders sieht der Berg von hier unten aus. Ein freundlicher Autofahrer hat mich von der Bushaltestelle in Scharling hier her gebracht. Das kommt nur noch selten vor. Viel zu früh für den Zug, gehe ich hinab ans Seeufer. Es hat etwas, auf den Zug zu warten.
„Dschuang Dsi ging einst mit Hui Dsi spazieren am Ufer eines Flusses. Dschuang Dsi sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser herausspringen! Das ist die Freude der Fische.« Hui Dsi sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der Fische kennen?« Dschuang Dsi sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass ich die Freude der Fische nicht kenne?« Hui Dsi sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass Ihr nicht die Freude der Fische kennt.« Dschuang Dsi sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren! Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen? Dabei wußtet Ihr ganz gut, dass ich sie kenne, und fragtet mich dennoch. Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am Fluß.“
Zhuāngzǐ, * 365 v. Chr.; † 290 v. Chr.

Und dann gab es noch andere Momente, die nicht mehr Träume waren, sondern eine Mischung von Wachen und Träumen, genau das, was man eine Halluzination nennt. In einem solchen Moment hatte er auf einmal die endgültige Antwort gefunden auf die oft gestellte Frage: „Warum steigt man auf die Berge?“ Um dem Gefängnis zu entrinnen.
Ludwig Hohl, Bergfahrt, 1978.



Auf 2200 m Höhe im Naturpark Fanes-Sennes-Praies (Dolomiten) am 27.12.2019. Die Baumgrenze ist überschritten. Von jetzt ab gibt es nur noch Schnee und Fels auf den großartigen Wegen durch eine tief verschneite Landschaft. Die letzten Bäume über der Waldgrenze werden zu Wundern der Natur und in ihrer Vereinzelung zu Meistern der Ästhetik.
Die Wolken gehen in den Schnee über, der Schnee geht in die Wolken über, ich gehe dazwischen hinüber auf den einen Berg der keinen Namen hat.



Bildserie Uanna I – IV, enstanden im Dezember 2019 im Fanes-Sennes-Braies Naturpark.

Der Mensch muss wieder nach unten mit den Tieren, mit den Pflanzen, der Natur und nach oben mit den Engeln und Geistern in Beziehung treten.
Joseph Beuys
Zwischen den Jahren beschreibt als Redewendung die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Seit über 10 Jahren verbringe ich 5–6 von den „in between“-Tagen mit meiner Familie draußen in der Natur, meist in den Bergen, fernab von jedem Autoverkehr und ohne Funkverbindung. Ursprünglich umfasste der Zeitraum die Raunächte, auch die zwölf heiligen Nächte genannt. Diese liegen zwischen dem 21. Dezember, der Wintersonnenwende, und dem 6. Januar. Sie stellen eine ganz besondere Zeit dar, nicht nur wegen des christlichen Weihnachten. Bereits im Alten Ägypten wurde eine Zeit zwischen den Jahren mit Heriu-renpet benannt.
Der rechnerische Ursprung des „in between“-Zeitraums liegt im Unterschied zwischen der Jahreseinteilung nach Mond- und Sonnenkalender begründet. Zwischen beiden Zählweisen für ein Jahr liegt eine Differenz von zwölf Tagen, die Epagomene, wobei nach der Zählweise des Mondkalenders zwölf Tage zum astronomisch korrekten Sonnenumlauf in 365 Tagen fehlen. Eine rechnerisch astronomische Diskrepanz beendet die längste Dunkelheit mit einer Zwischenzeit zum inne halten.
Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Dieses Datum geht auf römische Bräuche und Verschiebungen des Kalenders zurück. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, sodass die Zeit bis zum Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag.
Es ist die Zeit dazwischen, die mich bewegt.
Bild: „Auf dem Weg zum Ju de Limo, 26.12.2019„