Es war niemand dort oben I, Rotwand (1834 m), Mangfallgebirge, November 2019
»Ich weiß nicht«, rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur daß mir niemand hilft – sonst wäre lauter Niemand hübsch. Ich würde ganz gern – warum denn nicht – einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemand aneinanderdringen, diese vielen quergestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, daß alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offenlassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, daß wir nicht singen.«
Franz Kafka, Der Ausflug ins Gebirge
Es war niemand dort oben II, Rotwand (1834 m), Mangfallgebirge, November 2019
Der bayerische Alpenbogen zwischen Allgäu und Berchtesgaden bietet eine vielseitige Auswahl an traumhaften Bergen und Gipfeln der Extraklasse mit viel Natur und Artenvielfalt. In dieser Fotoausstellung werden die Ammergauer Alpen besonders hervorgehoben und im schönsten Licht dargestellt. Aufwendig erarbeitete, hochwertige 360 Grad Aufnahmen sowie klassische Aufnahmen des Ammergebirges währen unverstellte Rundumblicke in einzigartige Berglandschaften.
Auf dem Teufelstättkopf, Ammergebirge, 2011
Allerheiligen 2009 übernachtete ich im Freien auf der Großen Traithen im Mangfallgebirge. Aus einem kleinen, bescheiden Herbstgipfel wurde durch das spektakuläre Licht bei Sonnenuntergang und einer langen, klaren Nacht ein ganz besonderes Naturerlebnis. Seit dieser intensiven Erfahrung der freien Natur durfte ich bald 100 Gipfel mit Biwak und Zelt in den Alpen erleben. In dieser Fotoausstellung zeige ich einen ersten Einblick in die dabei entstandenen Bilder. Dabei wird das Ammergebirge vorgestellt. Das erste Morgenlicht nach einem Biwak im Winter bei – 30 Grad auf dem Gipfel der Hochplatte im Ammergebirge begleitet den Betrachter dabei ebenso wie das Abendlicht vor einer schwülend heißen Sommernacht, in der man leicht, fast mediteran, ohne Schlafsack in einer Graskule auf dem Hasentalkopf schlafen kann.
Mein besonderes Anliegen ist es, auf die noch wenige, ursprüngliche schützenswerte Natur aufmerksam zu machen. Je mehr sich in das Abenteur der Natur hineinbegeben ohne zerstörerische Spuren zu hinterlassen, desto sensibler kann mit ihr umgegangen werden. Ich machte alle Touren von München aus mit dem Zug und Rad. Wann immer das Zelt abgebaut und der Schlafsack eingerollt waren, sind auch meine letzten Spuren, wie das flach gedrückte Gras, in ein paar Stunden ganz vergangen. Warum in die Ferne schweifen und eine weite Reise auf sich nehmen, den CO2 Ausstoß unnötig erhöhen, wenn das Gute so nahe liegt? Das Abenteuer beginnt vor der Haustür und es ist ein großartiges Geschenk. Die Bilder im schönsten Licht des Ammergebirges zeigen es. Ich möchte mit meinen Bildern für mehr Einklang mit der Natur in der Heimat werben. Weniger ist mehr, sehen Sie selbst und entdecken Sie in großformatigen Rundumblicken auch ihre schönsten Gipfeltouren in neuem Licht. Ich freue mich auf Ihren Besuch.
Sonnenuntergang zwischen den Gipfeln, Ups und Daniel im Ammergbirge, 360 Grad Aufnahme, 2012
Abzüge bis zu einer Größe von 260 x 60 cm und 300 dpi sind in streng limitierter Auflage erwerbbar. Hierzu kontaktieren sie mich unter andreas.struck@blog.lichtmomente.de.
Die Ausstellung ist vom 11. Januar – 24. Februar 2019 täglich von 9:00 bis 17:00 zugänglich.
Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern Zeilerweg 2 D-83671 Benediktbeuern
360 Grad Rundumblick auf dem Bichlbächler Jöchle (1943 m) mit Blick auf die Schafsköpfle (2135 m) und die Gartnerwand (2377 m
16.10.2017 – Überschreitung der Gartner Wand (2377 m) im Lechtal Gebirge mit Biwak auf dem Gipfel. Die Wegsicherungen sind schon eingeholt für den kommenden Winter. Ich laufe alleine mit viel Zeit zum Schauen. In der Nacht lege ich mich aus versehen auf meine Brille. Das Glas und das Gestell sind kaputt. Ich habe keinen Ersatz dabei. Der Morgen und Weiterweg sind verschwommen. Dennoch läßt es sich gut weiter gehen.
Gedanken zu einer Nacht auf dem Schellschlicht im Ammergebirge mit den Bildvariationen: Die Natur schlägt die Augen auf.
Was mich leitet, ist die Überzeugung, dass der Geist nicht bloß ein nachträglicher Einfall oder ein Zufall oder eine Zusatzausstattung ist, sondern ein grundlegender Aspekt der Natur.
Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016
Die Natur schlägt die Augen auf I, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016
Mein Versuch die Natur weiter zu denken. Ich verfolge als Naturphilosoph …
… ein Verständnis, nach dem das Universum grundsätzlich dazu neigt, Leben und Geist zu erzeugen, wahrscheinlich eine sehr viel radikalere Abkehr von den vertrauten Formen naturalistischer Erklärung verlangen wird, als ich sie mir gegenwärtig vorzustellen vermag.
Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016
Die Natur schlägt die Augen auf II, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016
Als Naturwissenschaftler kann ich im biologischen Leben einen Prozess sehen der durch Entropieabnahme Ordung schafft, diese Ordnung lässt sich als Information beschreiben. Leben als ein Prozess der Informationszunahme. Information als der wissenschaftliche Begriff von Geist. Als Naturphilosoph und Künstler erfahre ich diese Informationszunahme in einem kreativen Prozess der Schöpfung. Geist und Information sind die beiden Seiten einer Münze, die Währung von Leben.
Die Natur schlägt die Augen auf III, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016
Liebe ist die Synthese von zwei auseinanderfallenden Objekten, die Umkehrung des Zerfalles im Einzelnen wieder vorwärts gerichtet zum Ganzen.
Die Natur schlägt die Augen auf IV, Auf dem Weg ins Tal, Ammergebirge, 2016
Geist ist das bewusst werden der Natur. Es ist dass …
„… das Universum allmählich erwacht und sich seiner selbst bewusst wird“
Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016.
Der Mensch als Ganzes schlägt mit und in seiner Natur die Augen auf. In seiner Vereinzelung kehrt er wieder zurück in eine Betrachtung von auserhalb.
Es dämmert.
Ich steige nach einer langen Nacht
mit behutsamen Schritten
hinunter
in den Tag
zu den Flüssen
im Tal.
Die Natur schlägt die Augen auf V, Zurück unten am Fluss, Ammergebirge, 2016
„Like a true nature’s child We were born, born to be wild We can climb so high I never wanna die“
Steppenwolf, 1968
Born to be wild, Karwendel 2011
Drei ganze Tage und zwei Nächte im Karwendel, ganz in der Mitte, in einer Landschaft, wo es noch stiller und wilder ist wie in den angrenzenten Tälern. Ich gehe in den Hmmel hinein. Ohne den Schutz von Hütten, zwei Nächte mit Biwaksack. Eine sehr kurze Nacht auf der Birkkar Spitze (2749 m), ein plötzlich aufkommendes Gewitter zwingt mich lange vor dem Tagesanbruch zu einem schnellen Abstieg . Übereiltes Packen, schon kommt ein heftiger Sturm auf. „Wo ist sie bloß?“, ich finde meine Taschenlampe nicht, ich fluche. „Was tun?“, die Frage geht mir nicht wirklich durch den Kopf. Bleiben ist keine Option. Der Wetterbericht war gut, geringe Gewitterneigung. Jetzt ist alles anders. Unwirklich tastend steige ich schlieslich in die Dunkelheit hinab. Am Tag waren es ein paar Schrofen, über einfache Felsen zum Gipfel hinauf. Jetzt in der Dunkelheit, von einem Gewitter überrascht, wird jeder Meter zur Herausforderung. Das aufflackern der Blitze, der Grund meiner Flucht, zeigt mir auch den Weg. Ist das nicht eine seltsamer Widerspruch? Das Donnern kommt immer näher. Dann beginnt es zu Regnen. Nass und Kalt. Ich gewinne an Tiefe, sie ist die ersehnte Sicherheit. Hinauf will ich nochmal am Tag, wenn der Himmel blau und weit ist. Ich suche noch einmal in meinem Rucksack nach dem Licht, es muss doch wo sein. Endlich, da ist es, ein LED Lichtstrahl gleitet über den Schotter, Technik, der Rest geht ganz schnell.
Born to be wild, Karwendel 2011, Seekarspitze (2677m)
Die Angst geht mit. Und die Überraschung. Der Weg ist immer neu. Dann wird es ruhig.
„I never wanna die.“
Diese Bilder entstanden kurz vor Sonnenaufgang auf der Seekarspitze, nach der ersten Nacht auf 2677 m.
„Lookin‘ for adventure And whatever comes our way“
Es geht weiter, über das Marxenkar hinab und hinüber zur Ödkarspitze. Es ist nur noch das Laufen und Schauen dass zählt. Die Laliderer Wand im schönsten Licht. Was für ein Weg, unfassbar schön, je stiller es wird.
„Take the world in a love embrace Fire all of your guns at once And explode into space“
Born to be wild, Karwendel 2011.Born to be wild, Karwendel 2011, Seekarspitze (2677m)
Am Samstag, den 29.1.2011 bin ich diese Tour gegangen. Es war Winter, es war kalt, und es lag viel Schnee. Damals wusste ich noch nicht, dass diese Bergtour auf den Geigelstein im Chiemgau einen Wendepunkt in meinem Leben markieren wird. Lange war ich auf dem Gipfel dieses an sich sanften Blumenberges und harrte in der Kälte aus, bis das Abendlicht sich sanft aber mit aller Kraft über das Land legte. Ich wusste damals nicht, dass ich in 3 Monaten eine eigene Firma gründen werde (navama – technology for nature), eine Firma die sich ausschließlich für den Schutz der Natur und hier vorallem der Meere einsetzen wird.
Über 100 Biwaknächte werden in meiner Freizeit vor mir liegen, mit schwerer Fotoausrüstung alleine auf 4000er steigen um dort eine Nacht zu verbringen. Und beruflich sehr bewegende Projekte rund um die Welt, um die Meere besser mit Technologie zu schützen. Mit einer unvorstellbaren Wucht wird sich mein Leben verändern, Anzeichen hierfür gab es schon lange, und sie wurden immer deutlicher.
Nach fast genau 10 Jahren war ich am 5. Februar 2021 nochmals im Winter auf dem Geigelstein ( hier kannst du dir die Tour geigelstein im chiemgau III in 10 Jahren ansehen ). Und wieder stand etwas an. Erst im Rückblick versteht man die Gegenwart.
Und dann gibt es da ja noch eine Tour, mit dem Biwaksack von der Kampenwand zum Geigelstein, davon aber ein anderes mal.
Ich mache mich auf die Suche. Und lass mich von der Natur kunstvoll führen. Die Bilder erzählen alles weitere.
Eine kurze Diareise auf den Geigelstein, die Nacht zieht herauf und die Welt beginnt sich zu verzaubern.
Auf dem Grasköpfl im Karwendelgebirge. Blick zum Schafreuther, und in die andere Richtung weit ins freie Land über den Wolken. Ich bleibe bis zum Abend und steige erst in der Dunkelheit ab.
Ich kehre am nächsten Tag an das Seeufer zurück. Der See versinkt ganz im Blau der Dämmerung. Und wieder die Tanne und ihre stillen Worte. Ich höre sie.
Am Vortag war das Lichthier ein anderes. Auch die Stille ist in Bewegung.
Es wird Abend und bald ist es dunkel. An einem Märznachmittag am Staffelsee. Das blaue Licht beginnt mit einem rosaroten Schauer über dem See. Die alte Tanne am anderen Ufe, rechts im Bild, steht wie eine Rufende dort drüben. Ich höre sie. Das Bild wird mich noch lange beschäftigen. Ich meine die Stille zu hören. Der lange Übergang in die Nacht bleibt mir in Erinnerung. Es war ein Blick in die Tiefe, für einen Augenblick, und dann geht es frierend und fröstelnd fort und dann endlich Nachts auf einem langen weg nachhause.
error: Der Inhalt ist Copyright geschützt. Bei Interesse an einem Bild dürfen Sie mich gerne kontaktieren.