Wie oft bin ich nun schon auf den Neureuth gestiegen? Ich weiss es nicht. Vielleicht 50 mal, wann immer die Arbeit keine Tagestour zuließ ging es zum Kaffee und Kuchen hier hinauf, für ein paar Stunden mit Zug und Fuß von München nach Gmund, der Neureuth und dann wieder hinab zum Tegernsee, zurück ins Büro. Und natürlich nur, wenn das Wetter nicht zu viel Sonne versprach, sonst wird es hier oben leicht etwas eng. So auch diesmal, das Sturmtief Sabine vergönnt sich eine Atempause. Ich brauch Luft zum Atmen. Nasser Schnee drückt die Zweige nieder, und umklammert die Stämme bis tief in den Wald hinein. Es gibt viel zu sehen, manches gar neu und noch nie so wahrgenommen. Es gibt immer etwas zu entdecken. Ich bin selbst erstaunt, immer wieder, auch diese Einsicht. Deshalb bin ich hier. Die eigenen Blicke verkleiden sich kunstvoll in neue Sichtweisen. Es tut einfach nur gut.
Zwischen zwei Bahnhöfen in Serpentinen über Wiesen, an Ufern und durch Wälder spaziert. Ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit. Ich lass mir Zeit, schaue und warte auf das schönste Licht. Nur wenige Leute sind auf dem Weg. Dann mit dem Zug in die Dunkelheit zurück nach München.
„Der Wald ist kein verschlossenes Buch, wohl aber ein Buch ohne Ende. Seine Sprache ist leicht verständlich, sie redet schlicht und warm zu unserm Herzen, wir brauchen ihr nur zu lauschen und das Herz nur offenzuhalten.“
Auf dem Weg zum Gipfel denke ich über diesen Weg nach. Dabei geht mir die Weite durch den Kopf, wie ein Wirbelwind, bis ich oben bin. Dann oben angekommen, geht es wieder zurück, hinunter in das Tal, und ich denke nicht nur zurück.
Baumzweige im Schnee. Auf dem Weg zum Hischberg (1670 m) im Mangfallgebirge, Bayerische Voralpen.
Am 9.1.2020 auf den Hirschberg (1670 m) im Mangfallgebirge. Bei herrlichem Wetter ganz allein auf dem Gipfel. Ein ungewöhnlicher warmer Wintertag. Weit oben wird es ganz weit, ich kann es kaum glauben, auch wenn ich schon so oft hier war, es ist jedesmal neu.
Ganz anders zeigt sich der Berg von hier. Der Hiscrhberg von Gmund am Tegernsee aus gesehen, 9.1.2020
In Gmund am Tegernsee warte ich auf den Zug nach München. Wie anders sieht der Berg von hier unten aus. Ein freundlicher Autofahrer hat mich von der Bushaltestelle in Scharling hier her gebracht. Das kommt nur noch selten vor. Viel zu früh für den Zug, gehe ich hinab ans Seeufer. Es hat etwas, auf den Zug zu warten.
„Dschuang Dsi ging einst mit Hui Dsi spazieren am Ufer eines Flusses. Dschuang Dsi sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser herausspringen! Das ist die Freude der Fische.« Hui Dsi sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der Fische kennen?« Dschuang Dsi sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass ich die Freude der Fische nicht kenne?« Hui Dsi sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass Ihr nicht die Freude der Fische kennt.« Dschuang Dsi sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren! Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen? Dabei wußtet Ihr ganz gut, dass ich sie kenne, und fragtet mich dennoch. Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am Fluß.“
Und dann gab es noch andere Momente, die nicht mehr Träume waren, sondern eine Mischung von Wachen und Träumen, genau das, was man eine Halluzination nennt. In einem solchen Moment hatte er auf einmal die endgültige Antwort gefunden auf die oft gestellte Frage: „Warum steigt man auf die Berge?“ Um dem Gefängnis zu entrinnen.
Ludwig Hohl, Bergfahrt, 1978.
Durch die Gran Fanes zum Col de Locia, 30.12.2019Durch die Gran Fanes zum Col de Locia, 30.12.2019
Auf 2200 m Höhe im Naturpark Fanes-Sennes-Praies (Dolomiten) am 27.12.2019. Die Baumgrenze ist überschritten. Von jetzt ab gibt es nur noch Schnee und Fels auf den großartigen Wegen durch eine tief verschneite Landschaft. Die letzten Bäume über der Waldgrenze werden zu Wundern der Natur und in ihrer Vereinzelung zu Meistern der Ästhetik.
Die Wolken gehen in den Schnee über, der Schnee geht in die Wolken über, ich gehe dazwischen hinüber auf den einen Berg der keinen Namen hat.
Weiter geht es nur allein II, Uanna, 27.12.2019Weiter geht es nur allein III, Uanna, 27.12.2019Weiter geht es nur allein IV, Uanna, 26.12.2019
Bildserie Uanna I – IV, enstanden im Dezember 2019 im Fanes-Sennes-Braies Naturpark.
Der Mensch muss wieder nach unten mit den Tieren, mit den Pflanzen, der Natur und nach oben mit den Engeln und Geistern in Beziehung treten.
Joseph Beuys
Zwischen den Jahren beschreibt als Redewendung die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Seit über 10 Jahren verbringe ich 5 – 6 von den „in between“ Tagen mit meiner Familie draußen in der Natur, meist in den Bergen, fernab von jedem Autoverkehr und ohne Funkverbindung. Ursprünglich umfasste der Zeitraum die Rauhnächte, auch die zwölf heiligen Nächte genannt. Diese liegen zwischen dem 21. Dezember, der Wintersonnenwende und dem 6. Januar. Sie stellen eine ganz besondere Zeit dar, nicht nur wegen dem christlichen Weihnachten. Bereits im Alten Ägypten wurde eine Zeit zwischen den Jahren mit Heriu-renpet benannt.
Der rechnerische Ursprung des „in between“ Zeitraums liegt im Unterschied zwischen der Jahreseinteilung nach Mond- und Sonnenkalender begründet. Zwischen beiden Zählweisen für ein Jahr liegt eine Differenz von zwölf Tagen, die Epagomene, wobei nach der Zählweise des Mondkalenders zwölf Tage zum astronomisch korrekten Sonnenumlauf in 365 Tagen fehlen. Eine rechnerisch astronomische Diskrepanz beendet die längste Dunkelheit mit einer Zwischenzeit zum inne halten.
Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Dieses Datum geht auf römische Bräuche und Verschiebungen des Kalenders zurück. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, so dass die Zeit bis Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag.
Es war niemand dort oben I, Rotwand (1834 m), Mangfallgebirge, November 2019
»Ich weiß nicht«, rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur daß mir niemand hilft -, sonst wäre lauter Niemand hübsch. Ich würde ganz gern — warum denn nicht — einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemand aneinanderdringen, diese vielen quergestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, daß alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, daß wir nicht singen.«
Franz Kafka, Der Ausflug ins Gebirge
Es war niemand dort oben II, Rotwand (1834 m), Mangfallgebirge, November 2019
Der bayerische Alpenbogen zwischen Allgäu und Berchtesgaden bietet eine vielseitige Auswahl an traumhaften Bergen und Gipfeln der Extraklasse mit viel Natur und Artenvielfalt. In dieser Fotoausstellung werden die Ammergauer Alpen besonders hervorgehoben und im schönsten Licht dargestellt. Aufwendig erarbeitete, hochwertige 360 Grad Aufnahmen sowie klassische Aufnahmen des Ammergebirges währen unverstellte Rundumblicke in einzigartige Berglandschaften.
Auf dem Teufelstättkopf, Ammergebirge, 2011
Allerheiligen 2009 übernachtete ich im Freien auf der Großen Traithen im Mangfallgebirge. Aus einem kleinen, bescheiden Herbstgipfel wurde durch das spektakuläre Licht bei Sonnenuntergang und einer langen, klaren Nacht ein ganz besonderes Naturerlebnis. Seit dieser intensiven Erfahrung der freien Natur durfte ich bald 100 Gipfel mit Biwak und Zelt in den Alpen erleben. In dieser Fotoausstellung zeige ich einen ersten Einblick in die dabei entstandenen Bilder. Dabei wird das Ammergebirge vorgestellt. Das erste Morgenlicht nach einem Biwak im Winter bei – 30 Grad auf dem Gipfel der Hochplatte im Ammergebirge begleitet den Betrachter dabei ebenso wie das Abendlicht vor einer schwülend heißen Sommernacht, in der man leicht, fast mediteran, ohne Schlafsack in einer Graskule auf dem Hasentalkopf schlafen kann.
Mein besonderes Anliegen ist es, auf die noch wenige, ursprüngliche schützenswerte Natur aufmerksam zu machen. Je mehr sich in das Abenteur der Natur hineinbegeben ohne zerstörerische Spuren zu hinterlassen, desto sensibler kann mit ihr umgegangen werden. Ich machte alle Touren von München aus mit dem Zug und Rad. Wann immer das Zelt abgebaut und der Schlafsack eingerollt waren, sind auch meine letzten Spuren, wie das flach gedrückte Gras, in ein paar Stunden ganz vergangen. Warum in die Ferne schweifen und eine weite Reise auf sich nehmen, den CO2 Ausstoß unnötig erhöhen, wenn das Gute so nahe liegt? Das Abenteuer beginnt vor der Haustür und es ist ein großartiges Geschenk. Die Bilder im schönsten Licht des Ammergebirges zeigen es. Ich möchte mit meinen Bildern für mehr Einklang mit der Natur in der Heimat werben. Weniger ist mehr, sehen Sie selbst und entdecken Sie in großformatigen Rundumblicken auch ihre schönsten Gipfeltouren in neuem Licht. Ich freue mich auf Ihren Besuch.
Sonnenuntergang zwischen den Gipfeln, Ups und Daniel im Ammergbirge, 360 Grad Aufnahme, 2012
Abzüge bis zu einer Größe von 260 x 60 cm und 300 dpi sind in streng limitierter Auflage erwerbbar. Hierzu kontaktieren sie mich unter andreas.struck@blog.lichtmomente.de.
Die Ausstellung ist vom 11. Januar – 24. Februar 2019 täglich von 9:00 bis 17:00 zugänglich.
Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern Zeilerweg 2 D-83671 Benediktbeuern
360 Grad Rundumblick auf dem Bichlbächler Jöchle (1943 m) mit Blick auf die Schafsköpfle (2135 m) und die Gartnerwand (2377 m
16.10.2017 – Überschreitung der Gartner Wand (2377 m) im Lechtal Gebirge mit Biwak auf dem Gipfel. Die Wegsicherungen sind schon eingeholt für den kommenden Winter. Ich laufe alleine mit viel Zeit zum Schauen. In der Nacht lege ich mich aus versehen auf meine Brille. Das Glas und das Gestell sind kaputt. Ich habe keinen Ersatz dabei. Der Morgen und Weiterweg sind verschwommen. Dennoch läßt es sich gut weiter gehen.
Sonnenaufgang auf der Gartnerwand (2377 m)
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