Eine Vita als Wanderer zwischen den Welten


Meine erste Kamera, mit der ich als 12 Jähriger begann, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, war eine kleine Kodak mit Kassettenfilm. Es war ein Geburtstagsgeschenk meines Vaters mit zwei Filmen in einer Box. Ich erinnere mich, ich nutzte damals nur den Schwarz-Weiß Film. Ich suchte bei diesen ersten fotografischen Schritten bereits den etwas anderen Blick in meiner unmittelbaren Umgebung.

Andreas Struck bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Berge um Benediktbeuern im schönsten Licht“ im Zentrum für Umwelt und Kultur. Foto Martin Blösl

Als junger Mann erbte ich dann eine Olympus OM-2n aus dem Nachlass meines Großvaters. Es war ein großer technischer Aufstieg, mit dem ich fast 20 Jahre unterwegs war.

Im Jahr 2000 kam ich von Hamburg nach München zurück, ich beschloss meine Leidenschaft „Fotografie“ weiter auszubauen. Ich arbeitete intensiv in Schwarz-Weiß auf Kleinbild und 6×6. Ich entwickelte das Filmmaterial selber und machte eigene Abzüge in der Dunkelkammer. Neben dem Beruf war dies ein aufwendiges Unterfangen und die natürlichen Grenzen der Zeit waren mir klar vorgegeben. Künstlerisch war alles dabei, Stadt, Architektur, Porträt, Akt, Performances und natürlich Landschaft. Ich war noch auf der Suche nach meinem eigenen Stil, der sich aber bald heraus bildete.

Die Natur wurde zu meiner Richtschnur.

Ab 2011 ging es dann konsequent weiter. Ich gab meine Stelle als Technologie und Innovationsmanager bei einer großen amerikanischen Firma nach 20 Jahren als leitender Angestellter auf. Es war ein großes Wagnis, aber eine bewusste Entscheidung, die ich niemals bereute und mir viele neue Möglichkeiten bot. Ich gründete die Firma navama – technology for nature und arbeitete für den Naturschutz, ganz besonders den Meeresschutz mit innovativen Lösungen, dabei professionalisierte ich zunehmend meine künstlerische Fotografie.

Zwischen 2014 und 2016 erhielt ich innerhalb des Verbundprojektes Alpenflusslandschaften: Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze eine Förderung und damit die Möglichkeit, mich systematisch an das Thema Natur und Flusslandschaften bildnerisch heranzuarbeiten. Ich eröffnete 2017 meine erste Ausstellung zu diesem Thema. In den letzten 11 Jahren hatte ich durch meine Selbständigkeit relativ flexible Möglichkeiten, jeden Monat mehrere Nächte in den Bergen, und dort vor allem ganz oben, auf den Gipfeln, unter freiem Himmel zu verbringen. Dieses lange Gehen und Sehen hat meine künstlerische Sichtweise ganz besonders geprägt. Es geht mir um eine positive Wahrnehmung der Natur, dem Leben als Ganzes. Mit diesen Bildern und ihrer authentischen Entstehungsgeschichte möchte ich die Bereitschaft in jedem Einzelnen für einen achtsamen Umgang mit seiner Umwelt motivieren. Ich suche ganz bewusst meine Motive „unmittelbar“ vor der Haustür, unterwegs mit Rad und Zug, möglichst Klimaneutral und Umweltschonend.

In eine Vita, wenn sie auch bunt und alles andere als gerade und einfach erklärbar ist, gehören auch ein paar unmissverständliche Fakten.

Geboren bin ich vor 60 Jahren in Oberbeuren, jetzt wohnhaft in München nach Aufenthalten in Würzburg, Seattle (USA), Freiburg und Hamburg.

Aufgewachsen auf dem Land in Lechbruck bei Füssen. Studium der Biologie mit Informatik (Diplom, 1986, Würzburg) und Philosophie mit Geschichte (Bachelor, 2021, München). Promotion in Biologie (1990), gefördert durch ein hochbegabten Stipendium der Hanns-Seidel Stiftung. Forschungsaufenthalte in den USA, der ehemaligen DDR und später noch einmal in Indonesien.

Ich war über 20 Jahre leitender Angestellter als Technologie und Innovationsmanager in internationalen Firmen in den Wirtschaftsbereichen Lebensmittel, Biotechnologie, Software und Automotive Engineering. Dann folgten 10 Jahre spannende Technologieentwicklung und Innovationen mit der eigenen Firma navama – technology for nature. im Einsatz für einen nachhaltigen, internationalen Meeresschutz. Ich arbeitete hier weltweit eng mit NGOs wie dem WWF, Greenpeace und Naturland zusammen.

Und von Anfang an war das Nachdenken über das Leben als Philosophie, die Fotografie als eine visuelle und kontemplative Umsetzung und das in die Berge Gehen in meinem Werdegang ein Wegbegleiter.

Unveröffentlichte Gedichte (abgesehen von ein paar Zeilen in der Zeitschrift Lichtung in meiner Studentenzeit und aktuell unter Lyrik) schreibe ich seit meinem 16. Lebensjahr. Eine umfassendere Veröffentlichung steht an.

Familie, Beruf, Natur und Kunst, in diesen Prioritäten gestaltete sich mein Leben. Jetzt im Alter geht alles zusammen. Soweit zu meiner Vita. Die Bilder und Texte der Ausstellungen dürfen Weiteres zwischen den Zeilen ergänzen.