wer bist du?

Die Idee zu diesem Projekt, das sich am Ende über 4 Jahre erstreckte, kam mir bei einem Stadtspaziergang mit meiner Kamera und dem Vorhaben, wieder in Schwarz-Weiss zu arbeiten. An einer Mauer stand mit Kreide gechrieben: Wer bist du? Ich hab den Text mit meiner Kamera aufgenommen und bin weiter gegangen. Das war es dann erst mal. Die Frage war im Kasten.

Nicht nur einer, dachte ich mir später, und mehr als zwei, noch später.

wer bist du?
wer bist du? wie denke ich einen gespiegelten kuss im weltraum der liebe?

Die Frage „wer bist du?“ bewegte mich. Und so begann ich zum ersten mal mit dem Arbeiten an Bildcollagen. Das Material waren viele Bilder. Mehr wird weniger. Ich warf alle meine Vorsätze von klaren, qualitativ hochwertigen Bildern über den Berg und verband meine eigenen Natur- und Architektur – Fotografien mit Bildern von Postkarten, Ausstellungskatalogen, Graffiti Zeichnungen, Akt, Zeitschriften und Internet Bildmaterial in zusammenfließenden Collagen zu einem was mehr als eins ist und in vielem eins bleibt. Auf der Suche nach einer sinnlichen Wahrnehmung in einem farblosen Raum mischte ich Bilder grenzenlos zusammen. Linien verbanden sich zu neuen Kompositionen zwischen Gothic, Heimatkitsch, Erotik und Naturaufnahmen. Jedes der hier gezeigten Bilder besteht aus mindestens 2 und manchmal bis zu 50 Bildern. vorwiegend in Schwarz Weiss, erst ab der Mitte des Projektes wagte ich mich an Farbe heran. Künstlerisch war für mich Gregory Crewdson mit „Beneath the Roses“ mein großes Vorbild. Als Amateurfotograf stehen mir nicht die Mittel zur Verfügung, die er hatte, um auch nur im Ansatz seine seelischen Kompositionen in einer abzubildenden Realität nachzuahmen. Um der Spur zu folgen, wählte ich den digital virtuellen Raum und das bildnerische Konzept der Collage. Bei der Ästhetik der Aktfotografie war für mich Bettina Reims mit ihrem Werk „Heroines“ das Vorbild.

wer bist du? maya am meer

Wer bist du? Ein sinnliches Wesen, das die Natur liebt bin ich allemal. Born to be wild in einer hypertechnischen Welt.

Wer bist du?“ neigte sich dem Ende entgegen, als die Farbe in die Collagen hineinfloss. Es war ein schöner Übergang. Nach knapp 4 Jahren Arbeit an diesem Werken spürte ich, nun ist es fertig. 62 der 64 Aufnahmen werden in der Diaschau mit der Musik von Lobo Loco (New Rooms New Places) gezeigt. Der Song passt meines erachtens perfekt.

wer bist du? elfentanz im bergwald

Ich danke allen Künstlern, deren Material, meist stark überarbeitet, in die Collagen mit einfloss, ob lebend oder schon lange verstorben, wie Goya, dessen Bilder ich als junger Mann im Museo del Prado in Madrid zum ersten mal sah und mich seit dem immer wieder bewegen. Diese Collagen sind ein Netzwerk des Überganges in ein kollektives Schaffen und das Einzelne löst sich je auf in ein Gemeinsames.

wer bist du? drei seelen und zwei schiffe an einer klippe über dem meer