My walk to heaven

Über den Hohen Fricken (1940 m) und den Bischof (2033 m) im Estergebirge. Einsame Wege im November zum Nachdenken und Schauen was kommt.

Rundumblick auf dem Hohen Fricken im Esterfebirge.

Überschreitung und Panoramatour der Extraklasse. Grandiose Blicke zum Karwendel, Wetterstein und Ammergebirge.

My walk to heaven. Immer wieder neu. Augenblick verweile doch, du bist so schön. Und dort draussen über dem Land die Wolken den Himmel bedecken.

Rundumblick auf dem Bischof im Estergebirge.

Föhnsturm

Vom Spitzing Sattel über den Schönfeldkopf zur Rotwand.

»Wenn jedes Werkzeug auf Geheiß oder auch vorausahnend das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie des Dädalus Kunstwerke sich von selbst bewegten, oder die Dreifüße des Hephästus aus eigenem Antrieb an die heilige Arbeit gingen, wenn so die Webeschiffe von selbst webten, so bedürfte es weder für den Werkmeister der Gehilfen noch für die Herren der Sklaven.« Der Traum des Aristotels ist heute Wirklichkeit geworden. Unsere Maschinen verrichten feurigen Atems, mit stählernen, unermüdlichen Gliedern, mit wunderbarer, unerschöpflicher Zeugungskraft, gelehrig und von selbst ihre heilige Arbeit und doch bleibt der Geist der großen Philosophen des Kapitalismus nach wie vor beherrscht vom Vorurteil des Lohnsystems, der schlimmsten aller Sklavereien. Sie begreifen noch nicht, dass die Maschine der Erlöser der Menscheit ist, der Gott, der den Menschen von den „sordidae artes“ und der Lohnarbeit loskaufen, der Gott, der ihnen Muße und Freiheit bringen wird.

Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit. Schweizerische Genossenschaftsbuchdruckerei, Hottingen-Zürich 1884, Seite 30.

Das Recht auf Faulheit. Wieviel Arbeit braucht der Mensch? Wenn eine Familie mehr als 40 Stunden Lohnarbeit verrichten muss, wurde sie unter dem Namen der Gleichberechtigung klammheimlich hintergangen.

Mit weniger Arbeit haben wir mehr Zeit uns langsamer fortzubewegen. Das Auto endgültig vom Dientsplan des Alltäglichen streichen. Es kehrt Ruhe in den Städten ein. Und wir müssen weniger vom Lärm fliehen.

Der Parkplatz am Spitzumngsattel ist halb voll, an einem Wochentag, kein sonniger Herbstag. Die Herausforderung der Zukunft ist, unsere Ressourcen nachhaltig einzusetzen, nicht schneller und mehr, sondern langsam und weniger, mit der Bahn statt mit dem Auto. Können wir umdenken lernen? Und dann anders handeln?

Der weite Weg

Der weite Gipfel. Auf dem Weg zum Hischberg (1670 m) im Mangfallgebirge, Bayerische Voralpen.

Auf dem Weg auf den Berg denke ich über den Weg auf den Berg nach, und über die Weite, und es ist gut so, bis ich oben bin. Dann geht es wieder hinunter in das Tal ohne dass ich zurück denke.

Am 9.1.2020 auf den Hirschberg (1670 m) im Mangfallgebirge. Bei herrlichem Wetter ganz allein auf dem Gipfel. Ein ungewöhnlicher warmer Wintertag. Weit oben wird es ganz weit, ich kann es kaum glauben, auch wenn ich schon so oft hier war, es ist jedesmal neu.

Baumzweige im Schne. Auf dem Weg zum Hischberg (1670 m) im Mangfallgebirge, Bayerische Voralpen.

In Gmund am Tegernsee warte ich auf den Zug nach München. Wie anders sieht der Berg von hier unten aus. Ein freundlicher Autofahrer hat mich von der Bushaltestelle in Scharling hier her gebracht. Das kommt nur noch selten vor. Viel zu früh für den Zug, gehe ich hinab ans Seeufer. So ist es, wenn man wartet.

Ganz anders zeigt sich der Berg von hier. Der Hiscrhberg von Gmund am Tegernsee aus gesehen, 9.1.2020

Warum ich Philosophie studiere?

„Dschuang Dsi ging einst mit Hui Dsi spazieren am Ufer eines Flusses. Dschuang Dsi sprach: »Wie lustig die Forellen aus dem Wasser herausspringen! Das ist die Freude der Fische.« Hui Dsi sprach: »Ihr seid kein Fisch, wie wollt Ihr denn die Freude der Fische kennen?« Dschuang Dsi sprach: »Ihr seid nicht ich, wie könnt Ihr da wissen, dass ich die Freude der Fische nicht kenne?« Hui Dsi sprach: »Ich bin nicht Ihr, so kann ich Euch allerdings nicht erkennen. Nun seid Ihr aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass Ihr nicht die Freude der Fische kennt.« Dschuang Dsi sprach: »Bitte laßt uns zum Ausgangspunkt zurückkehren! Ihr habt gesagt: Wie könnt Ihr denn die Freude der Fische erkennen? Dabei wußtet Ihr ganz gut, dass ich sie kenne, und fragtet mich dennoch. Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am Fluß.


Zhuāngzǐ, * 365 v. Chr.; † 290 v. Chr.

Born to be wild

„Like a true nature’s child
We were born, born to be wild
We can climb so high
I never wanna die“

Steppenwolf, 1968

Drei ganze Tage und zwei Nächte im Karwendel, einer Landschaft, mitten in der Welt, wo es noch etwas stiller und wilder ist. Ich gehe in den Hmmel hinein. Ohne den Schutz von Hütten, zwei Nächte mit Biwaksack. Eine sehr kurze Nacht auf der Birkkar Spitze (2749 m), ein plotzlich aufkommendes Gewitter zwingt mich lange vor dem Tagesanbruch zu einem schnellen Abstieg . Übereiltes Packen, schon kommt ein heftiger Sturm auf. „Wo ist sie bloß?“, ich finde meine Taschenlampe nicht, ich fluche. „Was tun?“, die Frage geht mir nicht wirklich durch den Kopf. Bleiben ist keine Option. Der Wetterbericht war gut, geringe Gewitterneigung. Jetzt ist alles anders. Unwirklich tastend steige ich schlieslich in die Dunkelheit hinab. Am Tag waren es ein paar Schrofen, über einfache Felsen zum Gipfel hinauf. Jetzt in der Dunkelheit, von einem Gewitter überrascht, wird jeder Meter zur Herausforderung. Das aufflackern der Blitze, der Grund meiner Flucht, zeigt mir auch den Weg. Ist das nicht seltsam? Das Donnern kommt immer näher. Dann beginnt es zu Regnen. Nass und Kalt. Ich gewinne an Tiefe, sie ist die ersehnte Sicherheit. Hinauf will ich am Tag, wenn der Himmel blau und weit ist. Ich suche noch einmal in meinem Rucksack nach dem Licht, es muss doch wo sein. Endlich, da ist es, ein LED Lichtstrahl gleitet über den Schotter, Technik, der Rest geht ganz schnell.

Die Angst geht mit. Und die Überraschung. Der Weg ist immer neu. Dann wird es ruhig.

I never wanna die.“

Diese Bilder entstanden kurz vor Sonnenaufgang auf der Seekarspitze, nach der ersten Nacht auf 2677 m.

„Lookin‘ for adventure
And whatever comes our way“

Born to be wild, Karwendel 2011, Seekarspitze (2677m)

Es geht weiter, über das Marxenkar hinab und hinüber zur Ödkarspitze. Es ist nur noch das Laufen und Schauen dass zählt. Die Laliderer Wand im schönsten Licht. Was für ein Weg, unfassbar schön, je stiller es wird.

„Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space“

Born to be wild, Karwendel 2011.