Die Weite vor den Bergen

Im Zeichen der Ebene und des Himmels.

360 Grad Rundumblicke – Oberbayerische Moorlandschaft: Loisach I, 260 x 60 cm, 2018

Zum verrückt werden schön ist es doch, wenn sich Gegensätze zusammen tun. Nirgendwo habe ich diese Zusamentreffen so schön gesehen wie in den Mooren vor den Bayerischen Bergen. Verschwindend kleine Flächen für große Wahrnehmung von Natur wie sie noch ist.

360 Grad Rundumblicke – Oberbayerische Moorlandschaften: Das Waasenmoos I, 260 x 60 cm, 2018

„Woran unsere Väter in geschlossenem Reisewagen, ungeduldig und von Langeweile geprägt, vorüberfuhren, das brauchen wir. Wo sie den Mund auftaten, um zu gähnen, da tun wir die Augen auf, um zu schauen, denn wir leben im Zeichen der Ebene und des Himmels. Das sind zwei Worte, aber sie umfassen eigentlich ein einzige Erlebnis: die Ebene. Die Ebene ist das Gefühl, in dem wir wachsen.“

Rainer Maria Rilke, Worpswede
360 Grad Rundumblicke – Oberbayerische Moorlandschaften: Das Waasenmoos II, 260 x 60 cm, 2018

„Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz … es ist ein Wunderland, ein Götterland. Ich habe Mitleid mit diesem schönen Stück Erde, seine Bewohner wissen nicht, wie schön es ist…. wenn das Malen nicht wäre?!“

Paula Modersohn-Becker
360 Grad Rundumblicke – Oberbayerische Moorlandschaften: Murnauer Moos I, 260 x 80 cm, 2018
360 Grad Rundumblicke – Oberbayerische Moorlandschaften: Murnauer Moos II, 260 x 60 cm, 2018

wer bist du?

wer bist du?

Die Idee zu diesem Projekt, das sich am Ende über 4 Jahre erstreckte, kam mir bei einem Stadtspaziergang mit meiner Kamera und dem Vorhaben, wieder in Schwarz-Weiss zu arbeiten. An einer Mauer stand mit Kreide gechrieben: Wer bist du? Ich hab den Text mit meiner Kamera aufgenommen und bin weiter gegangen. Das war es dann erst mal. Die Frage war im Kasten.

Nicht nur einer, dachte ich mir später, und mehr als zwei, noch später.

wer bist du?
wer bist du? wie denke ich einen gespiegelten kuss im weltraum der liebe?

Die Frage „wer bist du?“ bewegte mich. Und so begann ich zum ersten mal mit dem Arbeiten an Bildcollagen. Das Material waren viele Bilder. Mehr wird weniger. Ich warf alle meine Vorsätze von klaren, qualitativ hochwertigen Bildern über den Berg und verband meine eigenen Natur- und Architektur – Fotografien mit Bildern von Postkarten, Ausstellungskatalogen, Graffiti Zeichnungen, Akt, Zeitschriften und Internet Bildmaterial in zusammenfließenden Collagen zu einem was mehr als eins ist und in vielem eins bleibt. Auf der Suche nach einer sinnlichen Wahrnehmung in einem farblosen Raum mischte ich Bilder grenzenlos zusammen. Linien verbanden sich zu neuen Kompositionen zwischen Gothic, Heimatkitsch, Erotik und Naturaufnahmen. Jedes der hier gezeigten Bilder besteht aus mindestens 2 und manchmal bis zu 50 Bildern. vorwiegend in Schwarz Weiss, erst ab der Mitte des Projektes wagte ich mich an Farbe heran. Künstlerisch war für mich Gregory Crewdson mit „Beneath the Roses“ mein großes Vorbild. Als Amateurfotograf stehen mir nicht die Mittel zur Verfügung, die er hatte, um auch nur im Ansatz seine seelischen Kompositionen in einer abzubildenden Realität nachzuahmen. Um der Spur zu folgen, wählte ich den digital virtuellen Raum und das bildnerische Konzept der Collage. Bei der Ästhetik der Aktfotografie war für mich Bettina Reims mit ihrem Werk „Heroines“ das Vorbild.

wer bist du? maya am meer

Wer bist du? Ein sinnliches Wesen, das die Natur liebt bin ich allemal. Born to be wild in einer hypertechnischen Welt.

Wer bist du?“ neigte sich dem Ende entgegen, als die Farbe in die Collagen hineinfloss. Es war ein schöner Übergang. Nach knapp 4 Jahren Arbeit an diesem Werken spürte ich, nun ist es fertig. 62 der 64 Aufnahmen werden in der Diaschau mit der Musik von Lobo Loco (New Rooms New Places) gezeigt. Der Song passt meines erachtens perfekt.

wer bist du? elfentanz im bergwald

Ich danke allen Künstlern, deren Material, meist stark überarbeitet, in die Collagen mit einfloss, ob lebend oder schon lange verstorben, wie Goya, dessen Bilder ich als junger Mann im Museo del Prado in Madrid zum ersten mal sah und mich seit dem immer wieder bewegen. Diese Collagen sind ein Netzwerk des Überganges in ein kollektives Schaffen und das Einzelne löst sich je auf in ein Gemeinsames.

wer bist du? drei seelen und zwei schiffe an einer klippe über dem meer

Eine Nacht auf einem kahlen Berg

Eine von nun fast 100 Nächten auf den Gipfeln der Alpen. Fangen wir mit einem beliebigen Datum an:

360 Grad Rundumblick auf dem Bichlbächler Jöchle (1943 m) mit Blick auf die Schafsköpfle (2135 m) und die Gartnerwand (2377 m)

16.10.2017 – Überschreitung der Gartner Wand (2377 m) im Lechtal Gebirge mit Biwak auf dem Gipfel. Die Wegsicherungen sind schon eingeholt für den kommenden Winter. Ich gehe ganz alleine und habe viel Zeit zum Schauen. In der Nacht drehe ich mich aus versehen auf meine Brille, die neben dem Biwak Sack lag. Der folgende Morgen und Weiterweg sind recht unscharf. Damals wusste ich noch nicht, das es bald mit dem sehen, auch mit Brille, viel schwieriger werden wird. Aber es geht noch gut genug um zu gehen …

… wenn wir es denn dürfen.

Sonnenaufgang auf der Gartnerwand (2377 m)

Geist und Kosmos

Was mich leitet, ist die Überzeugung, dass der Geist nicht bloß ein nachträglicher Einfall oder ein Zufall oder eine Zusatzausstattung ist, sondern ein grundlegender Aspekt der Natur.

Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016

Die Natur schlägt die Augen auf.

Die Natur schlägt die Augen auf I, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016

Ein Versuch, etwas weiter zu denken.

Ich brauche „ein Verständnis, nach dem das Universum grundsätzlich dazu neigt, Leben und Geist zu erzeugen, wahrscheinlich eine sehr viel radikalere Abkehr von den vertrauten Formen naturalistischer Erklärung verlangen wird, als ich sie mir gegenwärtig vorzustellen vermag.“ Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016

Die Natur schlägt die Augen auf II, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016

Die Biologie kann ohne diesen Geist die Welt nicht wirklich erklären.

Die Natur schlägt die Augen auf III, Schellschlicht (2052 m), Ammergebirge, 2016

Und noch weniger kann die Biologie ohne diesen Geist erklären, warum wir die Natur lieben.

Die Natur schlägt die Augen auf IV, Auf dem Weg ins Tal, Ammergebirge, 2016

Ist es nicht, dass

„das Universum allmählich erwacht und sich seiner selbst bewusst wird“.

Thomas Nagel, Geist und Kosmos, 2016.

Und wir sind es, die mit der Natur die Augen aufschlagen.

Es dämmert.

Ich steige nach einer langen Nacht

mit behutsamen Schritten

hinunter

in den Tag

zu den Flüssen im Tal

Die Natur schlägt die Augen auf V, Unten am Fluss, Ammergebirge, 2016

Weitere Bilder von Nächten im Ammergebirge findest du auch unter Das Ammergebirge im schönsten Licht.

Born to be wild

„Like a true nature’s child
We were born, born to be wild
We can climb so high
I never wanna die“

Steppenwolf, 1968

Drei ganze Tage und zwei Nächte im Karwendel, einer Landschaft, mitten in der Welt, wo es noch etwas stiller und wilder ist. Ich gehe in den Hmmel hinein. Ohne den Schutz von Hütten, zwei Nächte mit Biwaksack. Eine sehr kurze Nacht auf der Birkkar Spitze (2749 m), ein plotzlich aufkommendes Gewitter zwingt mich lange vor dem Tagesanbruch zu einem schnellen Abstieg . Übereiltes Packen, schon kommt ein heftiger Sturm auf. „Wo ist sie bloß?“, ich finde meine Taschenlampe nicht, ich fluche. „Was tun?“, die Frage geht mir nicht wirklich durch den Kopf. Bleiben ist keine Option. Der Wetterbericht war gut, geringe Gewitterneigung. Jetzt ist alles anders. Unwirklich tastend steige ich schlieslich in die Dunkelheit hinab. Am Tag waren es ein paar Schrofen, über einfache Felsen zum Gipfel hinauf. Jetzt in der Dunkelheit, von einem Gewitter überrascht, wird jeder Meter zur Herausforderung. Das aufflackern der Blitze, der Grund meiner Flucht, zeigt mir auch den Weg. Ist das nicht seltsam? Das Donnern kommt immer näher. Dann beginnt es zu Regnen. Nass und Kalt. Ich gewinne an Tiefe, sie ist die ersehnte Sicherheit. Hinauf will ich am Tag, wenn der Himmel blau und weit ist. Ich suche noch einmal in meinem Rucksack nach dem Licht, es muss doch wo sein. Endlich, da ist es, ein LED Lichtstrahl gleitet über den Schotter, Technik, der Rest geht ganz schnell.

Die Angst geht mit. Und die Überraschung. Der Weg ist immer neu. Dann wird es ruhig.

I never wanna die.“

Diese Bilder entstanden kurz vor Sonnenaufgang auf der Seekarspitze, nach der ersten Nacht auf 2677 m.

„Lookin‘ for adventure
And whatever comes our way“

Born to be wild, Karwendel 2011, Seekarspitze (2677m)

Es geht weiter, über das Marxenkar hinab und hinüber zur Ödkarspitze. Es ist nur noch das Laufen und Schauen dass zählt. Die Laliderer Wand im schönsten Licht. Was für ein Weg, unfassbar schön, je stiller es wird.

„Take the world in a love embrace
Fire all of your guns at once
And explode into space“

Born to be wild, Karwendel 2011.

geigelstein im chiemgau I

Am Samstag, den 29.1.2011 bin ich diese Tour gegangen. Es war Winter, es war kalt, und es lag viel Schnee. Damals wusste ich noch nicht, dass diese Bergtour auf den Geigelstein im Chiemgau einen Wendepunkt in meinem Leben markieren wird. Lange war ich auf dem Gipfel dieses an sich sanften Blumenberges und harrte in der Kälte aus, bis das Abendlicht sich sanft aber mit aller Kraft über das Land legte. Ich wusste damals nicht, dass ich in 3 Monaten eine eigene Firma gründen werde (navama – technology for nature), eine Firma die sich ausschließlich für den Schutz der Natur einsetzen wird, und dass das Fotografieren endgültig einen wesentlichen Teil meines Lebens ausmachen wird. Kunst und Natur begannen hier endgültig Hand in Hand mit mir zu gehen. Über 100 Biwaknächte werden vor mir liegen, mit schwerer Fotoausrüstung alleine auf 4000er steigen um dort eine Nacht zu verbringen, und bewegende Projekte rund um die Welt um die Meere besser zu schützen. Mit einer unvorstellbaren Wucht wird sich mein Leben verändern, Anzeichen hierfür gab es schon lange, und sie wurden immer deutlicher.

Nach fast genau 10 Jahren war ich am 5. Februar 2021 nochmals im Winter auf dem Geigelstein ( hier kannst du dir die Tour geigelstein III im chiemgau in 10 Jahren ansehen ). Und wieder stand etwas an. Ist das nicht seltsam? So geht es, erst im Nachhinein versteht man was geschieht.

Und dann gibt es da ja noch eine Tour, mit dem Biwaksack von der Kampenwand zum Geigelstein, davon aber ein anderes mal.

Ich mache mich auf die Suche. Und lass mich von der Natur kunstvoll führen. Die Bilder erzählen alles weitere.

Eine kurze Diareise auf den Geigelstein, die Nacht zieht herauf und die Welt beginnt sich zu verzaubern.

Wie ist es ein Vogel zu sein?

Es war in der Nacht zum 1.11.2009 auf dem Großen Traithen (1852 m) im Mangfallgebirge.

Mit dem Zelt auf dem Großen Traithen (1852 m), November 2009
Fichte im Gegenlicht, Großer Traithen, 2009

Ich beschließe zu gehen um zu sehen.

Es dämmert dort unten im Tal, Großer Traithen 2009
Das Abendlicht verzaubert, Großer Traithen, 2009

Wie ist es ein Vogel zu sein? Das weiß ich nicht. Aber ich weiß wie es für mich dort oben ist.

reduziert – 50% und mehr

Die Idee für die Arbeit: reduziert – 50% und mehr entstand spontan nach einem Einkaufsspaziergang mit meiner Frau in der Fußgängerzone von München. Fashion und Mode im Schlussverkauf, stark reduziert. Es war im Januar 2004. Ich setze mich bei dieser Arbeit mit dem Bild im Bild auseinander. Das Bild im Bild gibt dem Bild leben zurück. Unsere Sehgewohnheit wird verführt. Schaufensterbühnen reflektieren die natürliche Sinnlichkeit innerhalb einer maximal reduzierten Kunstwelt. An der Spiegelgrenze zwischen Außen und Innen entdecke ich mich dabei selbst hauchdünn auf einem zerbrechlichen Glas. Es ist alles Kunst und hat doch ganz natürlich mit mir zu tun. Weil es eben Kunst ist. Wenn auch maximal reduziert und kommerzialisiert. Wer sieht hier wen?

reduziert: 50% und mehr
reduziert: 50% und mehr

Für diejenigen, die meine Natur- und Landschaftsbilder kennen, mag dieses Fotoprojekt etwas überraschend wirken. Für mich sind es Stillleben der Moderne, in einer Stadtlandschaft mit vollendetem Konsum und der Sehnsucht nach Körperlichkeit.

„Bin ich schön“ ist hier die vorrangige Frage im Spiegel der Zeit.

reduziert: 50% und mehr
reduziert: 50% und mehr

Ein Hauch von Traurigkeit liegt in den Bildern, das war mein Anliegen bei den Aufnahmen, um einer Sehnsucht gerecht zu werden, für das, was dahinter kommt und hier nicht ist.

Das verwendete Filmmaterial war Fuji Velvia 50 und Fuji Provia 100. Für mich zwei Klassiker, die mir auch in der digitalen Welt für immer in guter Erinnerung bleiben.

Die Diaschau mit 99 Fashion Bilder aus der Schaufensterszene im München Anfang 2000 dauert etwas über 9 Minuten. Alle Bilder sind für eine Ausstellung konzipiert worden, die leider bisher nicht umgesetzt werden konnte.

reduziert: 50% und mehr

Die Musik für die Diaschau ist von Vibes by DRVN und Xylo Ziko. Alle Bilder Copyright Andreas Struck.

reduziert: 50% und mehr
reduziert: 50% und mehr

Ein Dankeschön an alle Schaufensterdekorateur/innen für die Kunstwerke der besonderen Art. Das Projekt hat sehr viel Spaß gemacht und es gab so manche interessante Begegnung dabei.

Die ersten Bilder

Die ersten Bilder entsehen. Ein Versuch anders zu gehen. Es dauert Stunden im Nebel bis es dann stimmt …

Ich warte noch, Würmtal, München 2002

Filmmaterial: Agfa Ultra Chrome 100